Es gibt kaum jemand, dem dieser Name unbekannt wäre, kaum einer, der noch nie von König David gehört hätte, aber, Hand aufs Herz, wie fundiert sind diese Kenntnisse wirklich?
Das weiß wohl jeder: David besiegte Goliath. Indem er den unbesiegbaren Riesen mit einem Stein aus seiner Schleuder am Kopf getroffen hatte, ehe dieser überhaupt zum Angriff antreten konnte.
Das wissen viele: Als König begehrte David die schöne Batseba, die ihr Bad gewöhnlich auf dem Dach ihres Hauses in unmittelbarer Nähe des königlichen Palastes zu nehmen pflegte. Da freilich stand ihm Batsebas Gatte, der Soldat Urija, im Weg. David fand eine Lösung. Er kommandierte den Mann in eine Schlacht ab, von der er unmöglich lebend zurückkehren würde.
Das wissen noch manche: David, der oft mit einer Leier abgebildet wird, war ein begnadeter Sänger und Dichter, von ihm stammen mit die schönsten der überlieferten Psalmen.
In Zauners Stück wird den Zuschauern ein spannendes Porträt einer faszinierenden, freilich nicht unproblematischen Persönlichkeit geboten..
Die Aufführungsdaten:
14., 15., 16., 17.,22., 23.,24. Juni 2012 um 19:30 Uhr
15.,16., 17., 22.,23. 24. Juni 2012 auch 15:00 Uhr
Eintrittspreise: EURO 25.- / 20.- / 15.-
Karten: O7715/8028 und ticket@rainbacher-evangelienspiele.at
Fünf Fragen an Zauner
Sie bringen nach „Hiob“, „Ruth“ und „Abraham im ägyptischen Exil“ als nächstes „König David“ auf die Bühne, verfolgen Sie mit dieser Reihenfolge eine bestimmte Absicht?
Nein. „Hiob“ ist eine Sage, die in die Bibel als exemplarisches Gleichnis einer unbedingten Gottestreue eingeführt worden war. Es handelt sich dabei um keine historische Figur. Bei der Moabiterin Ruth, die mit Boas ein neues Geschlecht begründet, gibt es allerdings schon einen Bezug hin zu David. Grundsätzlich aber geht es mir nicht um Chronologie, die Stücke stehen jedes für sich.
Wie reagiert das Publikum auf die Darstellung alttestamentarischer Themen?
Die Menschen sind sehr interessiert und offen. Im Allgemeinen ist man ja auf der Bühne eher die Behandlung griechischer und römischer Mythen oder germanischer Sagen rund um die Nibelungen und die Gralserzählungen zu sehen gewohnt. Die biblischen Erzählungen sind dagegen weniger bekannt. Allerdings erleben wir, dass unsere Besucher zunehmend vorbereitet kommen, dass sie selber nachlesen und gerne über die Schwerpunkte meiner Interpretation diskutieren.
Von Ihnen stammen ja auch viele andere Dramen wie „Der Vergessene“ oder Romane wie „Das Ende der Ewigkeit“. Auf der Rainbacher Bühne dürfen jedoch nur die Bibelstücke zur Aufführung kommen: Warum diese Reduzierung?
Unsere Wurzeln liegen nicht bei Zeus oder Wotan. Alles, was in den zweitausend Jahren abendländischer Geschichte im Guten wie im Bösen, an Großartigem wie an Fehlerhaftem passiert ist, hat seinen Ursprung in jenem Gedankengut, das uns in der Bibel überliefert wird. Unsere Zuschauer werden unaufdringlich daran erinnert, dass die Wurzeln unserer Kultur weit über die zweitausend Jahre nach Christi Geburt hinausreichen.
Sie haben Ihr Theaterprojekt in einem Dorf angesiedelt, das nur schwer auf der Landkarte zu finden und mit öffentlichen Verkehrsmitteln überhaupt nicht zu erreichen ist, wäre es nicht vernünftiger gewesen, einen bekannteren, zentraleren Ort zu wählen?
Das stimmt sicher. Nur Rainbach ist mein Geburtsort. Im Jahr 1965, sobald es möglich war, als freier Schriftsteller zu leben, habe ich mich mit meiner Familie hier niedergelassen. Hier habe ich die Ruhe gefunden, meinen persönlichen literarischen Stil zu entwickeln, und hier finde ich auch viele aufgeschlossene Menschen, die sich für die Spiele engagieren und sie mit Rat und Tat unterstützen. Aber lassen Sie mich noch einen Gedanken anfügen: Jene Ideen, die einen fundamentalen Zeitenwandel einleiteten, wurden nicht in den damaligen Weltreichen Ägypten oder Rom geboren, sondern haben ihren Ausgang von unbeachteten, vergessenen Winkeln Vorderasiens genommen.
Die Rainbacher Evangelienspiele gibt es seit 2004, inzwischen sind acht verschiedene Werke aufgeführt worden. Was reizt Sie so sehr an den biblischen Helden?
Das Schöne und Faszinierende für mich ist, dass die biblischen Helden gar keine Helden sind, sondern durchwegs gebrochene, problematische Figuren, behaftet mit allen erdenklichen menschlichen Schwächen. Abraham verlangte von seiner Frau Sara, sich als seine Schwester auszugeben, damit er mit seinem Volk überleben konnte. David, der poetische Hirtenknabe, führte als König ein Leben, das keineswegs vorbildhaft war. Und schließlich verhielt sich ja selbst Jesus zum Leidwesen seiner Apostel keineswegs heldenhaft. Er schwitzte Blut und wurde nicht als glorreicher Sieger, sondern als erniedrigter Gekreuzigter zum Leitbild. Für mich rückt er, rücken die Bibelfiguren durch ihre Schwächen und ihre Mangelhaftigkeit nur noch näher an uns heran, die Heiligen und Helden bleiben Wunschbilder, denen man als gewöhnlicher Sterblicher kaum nacheifern kann.
Aus der Besetzungsliste für "König David"
Johannes Berg als David
geboren in Erding, lebt in München, erhielt seine Ausbildung an der Schauspielschule Ali Wunsch-König. Spielt vorwiegend in München und Ansbach. Er war schon als junger Petrus in "Passion" zu sehen und gehört seit seiner Darstellung des Teufels in "Hiob" zu den Lieblingssschauspielern der Rainbacher Evangelienspiele.
Sarah Bennani als Batseba
geboren in Berlin, wo sie auch vorwiegend lebt und arbeitet, Schauspielausbildung an der Theaterakademie ZAV, ihr Schwerpunkt liegt auf Film und Fernsehen, am Theater spielt bzw. inszeniert sie an der Volksbühne Berlin, dem Theaterhaus Mitte u.a. Ist dem Publikum als beeindruckende Sarah im Gedächtnis.
Bernd von Bömches als Richter Samuel
lebt in Wiehl, Deutschland, studierte an der Theaterakademie in Bukarest, spielte über 100 Rollen des klassischen und modernen Repertoires, erhielt mehrere Auszeichnungen auf internationalen Theaterfestivals. Umjubelter Abraham bei den Evangelienspielen 2011
Ulrich Scherzer als Vater Isai
geboren in Kyritz/Mark Brandenburg, Schauspielausbildung in Heidelberg und
Berlin, Studium an den Universitäten Berlin und Wien Theaterwissenschaft,
Dr. phil., er spielte in unzähligen Rollen im Fernsehen und an Theatern in
Linz, Stuttgart, Paderborn und Wien. Träger der Kulturmedaille des Landes
Oberösterreich
"Hiob" - die erste Premiere im neuen Theater bescherte den Evangelienspielen eine große Beachtung in den Medien und einen überragenden Publikumserfolg.
Hans Wüdinger:
Die Rainbacher Eangelienspiele Ein etwas anderes Theater im
Verlag Ennsthaler, Steyr
Das Buch enthält Beiträge u. a.
von Dr. Hans Würdinger zu den vier Stücken, einen Vortrag von Univ. Prof. Dr.
Gérard Thiériot, Paris, den dieser zum französischen Germanistentag
2007 in Grenoble gehalten hat, einen Aufsatz von Prof. Elfriede Prillinger unter
dem Titel "Wiedergeburt antiken Theaters", Szenenfotos von Christa Zauner,
sowie den hier zitierten Text:
Die
Bücher der Evangelienspiele
"Der Rufer in der Wüste Johannes"
"Zeichen und Wunder"
Die Welt vor zweitausend Jahren hatte in vieler Hinsicht erstaunliche Ähnlichkeit
mit unserer Gegenwart. Es herrschte große politische und religiöse Unsicherheit,
die allgegenwärtige Weltmacht, Rom, drohte alles und jedes in seinen Einflussbereich
zu ziehen, die Sitten waren verroht, das soziale Gefüge
gebrochen, die altüberlieferten Werte außer Kraft gesetzt - ein idealer
Nährboden für revolutionäre Gruppen, Sekten und Weltverbesserer.
In seinen Evangelienspielen zeichnet Zauner ein umfassendes Bild jener großen
Zeitenwende, indem er die Bibel beim Wort nimmt, sie aber in
"Passion"
"Das Grab ist leer"
einer heutigen dichterischen Sprache erzählte und aus dem Blickwinkel eines
Autors, dem es an kritischer Distanz nicht fehlt.
Wie in den meisten
seiner Werke befasst sich Zauner auch hier mit Zeitgeschichte. Er stellt das Schicksal
einfacher Menschen in den Mittelpunkt, die in den Strudel der Geschichte geraten.
In "Zeichen
und Wunder" sind die zentralen Figuren Fischer, Bauern, Zöllner und der
Sohn eines Zimmermanns aus Nazaret. Aber so unbedeutend sie damals erschienen,
sie bewirkten, dass die Weltherrschaft der Römer gebrochen wurde und sie hinterlassen
ihre Spuren bis tief in unsere Gegenwart herein.